Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung. (Heraklit von Ephesus)
Was schon dieser griechische Philosoph bemerkte und was mir auch klar ist, bekomme ich jetzt zu spüren. Das Auslandssemester ist offiziell vorbei, viele sind schon heimgeflogen oder sonst wo auf Reisen und ich bin gerade dabei, mein Land auf Zeit besser kennenzulernen. Die Tage am Strand waren unbeschreiblich. Cabo Polonio: Strandspaziergänge, Baden, Seelöwen beobachten, die Aussicht vom Leuchtturm genießen, in der Hängematte lesen und die Gesellschaft von netten Menschen. Punta del Diablo: ein Regentag und ein Strandtag. Punta del Diablo ist größer als Cabo, hat Straßen (allerdings auch nicht asphaltiert) und Elektrizität. Ansonsten ist es genauso abgeschieden, ein Fischerdorf mit vielen süßen Häuschen (unter anderem welche mit Reetdach!) und mehr Infrastruktur als Cabo, aber genauso perfekt zum Entspannen. In Uruguay regnet es auch im Sommer ein wenig, was dazu führt, dass die Kühe das ganze Jahr über saftiges grünes Gras genießen können.
Heute abend geht die Reise nach kurzem Stopp in Montevideo weiter ins Interior von Uruguay. Wir sind bei einer Uruguaya eingeladen, die das nächste Semester in Heilbronn verbringen wird. Trinidad ist 2,5h von Montevideo weg und definitiv "off the beaten track", wie es Lonely Planet treffend ausdrücken würde. Dorthin verirrt sich kein Tourist.
Dienstag, 14. Dezember 2010
Sonntag, 5. Dezember 2010
Letztes Wochenende in Montevideo
Don't tell me that it's over, it's only just begun. Morgen haben Melli und ich die letzte Prüfung, Gestión de operaciones, das ist todlangweilig und SEHR viel Theorie. Ich habe hier wirklich die Vorzüge meines Studiums an der HHN schätzen gelernt. Zum Glück habe ich danach 13 Monate keine Prüfungen mehr - der Nikolaustag morgen wird wohl doch etwas Besonderes sein.
Die letzte Woche war wieder vollgepackt mit Aktivitäten wie Strandreuniones mit Ende in einer Bar, Tango, Azabache und am Freitag das Highlight: Internationales Abendessen mit Weihnachtsstimmung. Letztere wurde in Form von Melli (Danke an dich für die super Idee ;-) und mir mit Nikolausmützen und Lametta-Girlanden verursacht, was zusammen mit dem Glühwein eine geniale Kombination war. Man glaubt es kaum, ich bin wirklich etwas in Weihnachtsstimmung gekommen! Ansonsten gab es spanisches, uruguayisches, US-amerikanisches und armenisches Essen, es war alles so lecker. Weggegangen bin ich danach nicht mehr, irgendwann muss man auch wieder Kräfte sammeln, vor allem, wenn eine Prüfung vor der Tür steht. Gestern waren wir im Ballett "La Traviata" im Teatro Solís. Das war mein erstes Ballett und es hat mir sehr gut gefallen. Der einzige Wehmutstropfen war das aufgrund von Streik (!) ausfallende Philharmonieorchester von Montevideo. Das hätte die Vorstellung noch schön abgerundet. Na ja, ein Orchesterstreik ist ein winziges Problem im Vergleich zum Streik der Fluglotsen und eventuell der Piloten in Spanien. Jungs, wagt es nicht...! (Stefan fliegt mit Iberia her)
Heute sind wir nochmal auf die Feria Tristán Narvaja und sogar dort merkte ich schon das nahende Ende meiner Zeit in Montevideo. Es hat sich nicht mehr gelohnt, den Wocheneinkauf an Obst, Gemüse, Pasta und Co. dort zu machen :( Am Dienstag geht die Reise an den Strand los. Erste Station: Cabo Polonio - das Paradies Uruguays, ohne Elektrizität, Handyempfang und Internetanschluss.
Wir sagen euch an, den lieben Advent, sehet die zweite Kerze brennt - nur ist es eben so, dass das Konzept vom Licht im Dunkeln nicht ganz passt bei immer länger werdenden Tagen mit Temperaturen von 25-30°C.
Die letzte Woche war wieder vollgepackt mit Aktivitäten wie Strandreuniones mit Ende in einer Bar, Tango, Azabache und am Freitag das Highlight: Internationales Abendessen mit Weihnachtsstimmung. Letztere wurde in Form von Melli (Danke an dich für die super Idee ;-) und mir mit Nikolausmützen und Lametta-Girlanden verursacht, was zusammen mit dem Glühwein eine geniale Kombination war. Man glaubt es kaum, ich bin wirklich etwas in Weihnachtsstimmung gekommen! Ansonsten gab es spanisches, uruguayisches, US-amerikanisches und armenisches Essen, es war alles so lecker. Weggegangen bin ich danach nicht mehr, irgendwann muss man auch wieder Kräfte sammeln, vor allem, wenn eine Prüfung vor der Tür steht. Gestern waren wir im Ballett "La Traviata" im Teatro Solís. Das war mein erstes Ballett und es hat mir sehr gut gefallen. Der einzige Wehmutstropfen war das aufgrund von Streik (!) ausfallende Philharmonieorchester von Montevideo. Das hätte die Vorstellung noch schön abgerundet. Na ja, ein Orchesterstreik ist ein winziges Problem im Vergleich zum Streik der Fluglotsen und eventuell der Piloten in Spanien. Jungs, wagt es nicht...! (Stefan fliegt mit Iberia her)
Heute sind wir nochmal auf die Feria Tristán Narvaja und sogar dort merkte ich schon das nahende Ende meiner Zeit in Montevideo. Es hat sich nicht mehr gelohnt, den Wocheneinkauf an Obst, Gemüse, Pasta und Co. dort zu machen :( Am Dienstag geht die Reise an den Strand los. Erste Station: Cabo Polonio - das Paradies Uruguays, ohne Elektrizität, Handyempfang und Internetanschluss.
Wir sagen euch an, den lieben Advent, sehet die zweite Kerze brennt - nur ist es eben so, dass das Konzept vom Licht im Dunkeln nicht ganz passt bei immer länger werdenden Tagen mit Temperaturen von 25-30°C.
Freitag, 26. November 2010
November rain
Die zweite Prüfung ist weg - Hausarbeit wurde heute übersetzt und abgegeben. Noch 2 verbleiben, der Countdown läuft.
Ich höre gerade das oben genannte Lied von Guns'n'Roses und ich höre es zum ersten Mal in einem ganz neuen Zusammenhang. Unser november rain in Montevideo ist ein warmer Regen nach einem Sommergewitter. Heute, als ich zur Uni gelaufen bin, um unsere Arbeit zu drucken, hat es mich fast aus den Schuhen gehauen, weil es so schwül war.
Die letzten Tage waren extrem lustig. Am Dienstag wollten wir eigentlich "New York, I Love You" im Independent-Kino sehen und sind nach einer Busfahrt, bei der uns der halbe Bus geholfen hat, die richtige Haltestelle zu finden, vor dem Kino in Pocitos (wo sich keiner von uns richtig auskennt) angekommen. Davor hat uns noch ein Fahrgast seinen Stammbaum erklärt (Vater Deutscher, Mutter Irin, kann zwar kein Deutsch, liebt die Sprache aber. Die Leute hier sind so nett, das ist immer wieder auf's Neue toll.)
Nur stellten wir an der Kinokasse fest, dass ich mich in der Woche geirrt hatte und der Film schon am 15./16.11. lief! Meine verpeilten Tage am Montag und Dienstag ;) Sind dann sehr spontan ins Punta Carretas Shopping gefahren und haben dort Comer, Rezar, Amar (Eat, Pray, Love) angeschaut. Sehr sehenswert und hat auch den beiden anwesenden chicos gefallen! Für uns Austauschstudenten war der Lachkrampf und die ungläubigen Blicke beim Bewundern der Weihnachtsdekoration im Shopping inklusive. Klar sieht man auf dem Kalender, dass November ist, aber es ist Sommer. Und Sommer und Weihnachten passt einfach nicht! :) Nach dem Kino sind wir ins El Pisotón zum Tango. David und ich haben versucht, im Gang den Grundschritt zu perfektionieren, auf der Tanzfläche sind die Leute alle viel zu gut. Super zum Zuschauen, aber da mischt man besser nicht mit!
Am Mittwoch war Salsanacht in einer Disco in Parque Batlle und gestern wieder Couchsurfing-Treffen, was wie immer eine Mordsgaudi war. Außerdem finde ich hier eine neue Berufung als Deutschlehrerin, was viel Spaß macht. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich jemand dafür interessiert, aber wenn, dann bringe ich denen nützliche Wörter oder Sätze bei. Tagsüber war ich ein paar Mal am Strand und hab die Sonne bei warmen 26-28°C genossen. Euch daheim viel Spaß bei der Schneeballschlacht!
Morgen geht es mit Megan und ihrer uruguayischen Clique nach Piriápolis. Da war ich zwar vor ein paar Wochen schon, aber da es sehr lustig ist, mit ner Gruppe Uruguayos zu reisen (!Chile!), lohnt es sich sicher, noch mal hinzugehen. Dass es schon um 6.30 Uhr morgens losgeht, nimmt man dann eben zähneknirschend in Kauf. An Schlafmangel und Mate-Doping hat man sich nach 4 Monaten Auslandssemester schon gut gewöhnt!
Ich höre gerade das oben genannte Lied von Guns'n'Roses und ich höre es zum ersten Mal in einem ganz neuen Zusammenhang. Unser november rain in Montevideo ist ein warmer Regen nach einem Sommergewitter. Heute, als ich zur Uni gelaufen bin, um unsere Arbeit zu drucken, hat es mich fast aus den Schuhen gehauen, weil es so schwül war.
Die letzten Tage waren extrem lustig. Am Dienstag wollten wir eigentlich "New York, I Love You" im Independent-Kino sehen und sind nach einer Busfahrt, bei der uns der halbe Bus geholfen hat, die richtige Haltestelle zu finden, vor dem Kino in Pocitos (wo sich keiner von uns richtig auskennt) angekommen. Davor hat uns noch ein Fahrgast seinen Stammbaum erklärt (Vater Deutscher, Mutter Irin, kann zwar kein Deutsch, liebt die Sprache aber. Die Leute hier sind so nett, das ist immer wieder auf's Neue toll.)
Nur stellten wir an der Kinokasse fest, dass ich mich in der Woche geirrt hatte und der Film schon am 15./16.11. lief! Meine verpeilten Tage am Montag und Dienstag ;) Sind dann sehr spontan ins Punta Carretas Shopping gefahren und haben dort Comer, Rezar, Amar (Eat, Pray, Love) angeschaut. Sehr sehenswert und hat auch den beiden anwesenden chicos gefallen! Für uns Austauschstudenten war der Lachkrampf und die ungläubigen Blicke beim Bewundern der Weihnachtsdekoration im Shopping inklusive. Klar sieht man auf dem Kalender, dass November ist, aber es ist Sommer. Und Sommer und Weihnachten passt einfach nicht! :) Nach dem Kino sind wir ins El Pisotón zum Tango. David und ich haben versucht, im Gang den Grundschritt zu perfektionieren, auf der Tanzfläche sind die Leute alle viel zu gut. Super zum Zuschauen, aber da mischt man besser nicht mit!
Am Mittwoch war Salsanacht in einer Disco in Parque Batlle und gestern wieder Couchsurfing-Treffen, was wie immer eine Mordsgaudi war. Außerdem finde ich hier eine neue Berufung als Deutschlehrerin, was viel Spaß macht. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich jemand dafür interessiert, aber wenn, dann bringe ich denen nützliche Wörter oder Sätze bei. Tagsüber war ich ein paar Mal am Strand und hab die Sonne bei warmen 26-28°C genossen. Euch daheim viel Spaß bei der Schneeballschlacht!
Morgen geht es mit Megan und ihrer uruguayischen Clique nach Piriápolis. Da war ich zwar vor ein paar Wochen schon, aber da es sehr lustig ist, mit ner Gruppe Uruguayos zu reisen (!Chile!), lohnt es sich sicher, noch mal hinzugehen. Dass es schon um 6.30 Uhr morgens losgeht, nimmt man dann eben zähneknirschend in Kauf. An Schlafmangel und Mate-Doping hat man sich nach 4 Monaten Auslandssemester schon gut gewöhnt!
Montag, 22. November 2010
Disfrutando lo máximo
Die erste Prüfung ist vorbei und ich fühle mich wie im siebten Himmel. Dieses Gefühl muss ich mit nach Heilbronn nehmen, es tut richtig gut. Anmerkung: Ich hab noch zwei schriftliche und eine Hausarbeit vor mir :)
Der Tag heute war wieder Uruguay pur: Verlasse dich darauf, dass du dich auf nichts verlassen kannst. Die Prüflinge waren alle anwesend und haben auf die Professorin gewartet. Die kam eine halbe Stunde nach dem angesetzten Termin der ersten mündlichen Prüfung! Alles hat sich dementsprechend nach hinten verschoben, ich hab insgesamt eine Stunde gewartet. Das ist ja noch im Rahmen ;)
Abends hab ich vor lauter Reisen über Skype planen die Zeit vergessen, wollte aber doch noch an die Uni zum Theater. OK, ich bin in Uruguay, zu spät kommen ist sicher kein Ding. Ähhhmmmmm.... in diesem Fall doch! Ich stand vor der Tür (30 min zu spät) und wurde nicht mehr reingelassen. Autsch. Egal. Plan wurde also spontan geändert und der Abend endete quatschend mit David und Megan in dieser tollen Wohnung im Parque Rodó. Ich werde das alles so vermissen, am besten denke ich noch gar nicht darüber nach, dass wir in 3 Wochen fast alle getrennte Wege gehen werden.
Gestern war tolles Frühsommerwetter und ich hab am Strand gelernt. Der Strand wurde mittlerweile sommerfit gemacht, d.h. es gibt jetzt Lifeguards, eine Flagge (die aufgrund der "sehr hohen" Wellen im Río de la Plata wohl immer grün ist) und die toten Fische wurden entfernt. Dafür hat die Kakerlakenfamilie ihren Weg in meine Residencia gefunden... Irgendwas Gutes muss es ja haben, dass ich in 4 Wochen gehe. Die Reiseroute steht mittlerweile sicher, Weihnachten werden wir an den Iguazú-Wasserfällen verbringen und Silvester in Bariloche. Danach gehts runter bis ans Ende der Welt nach Feuerland. Mittlerweile verstehe ich, warum alle, die einmal hier waren, immer wieder zurückkommen.
Der Tag heute war wieder Uruguay pur: Verlasse dich darauf, dass du dich auf nichts verlassen kannst. Die Prüflinge waren alle anwesend und haben auf die Professorin gewartet. Die kam eine halbe Stunde nach dem angesetzten Termin der ersten mündlichen Prüfung! Alles hat sich dementsprechend nach hinten verschoben, ich hab insgesamt eine Stunde gewartet. Das ist ja noch im Rahmen ;)
Abends hab ich vor lauter Reisen über Skype planen die Zeit vergessen, wollte aber doch noch an die Uni zum Theater. OK, ich bin in Uruguay, zu spät kommen ist sicher kein Ding. Ähhhmmmmm.... in diesem Fall doch! Ich stand vor der Tür (30 min zu spät) und wurde nicht mehr reingelassen. Autsch. Egal. Plan wurde also spontan geändert und der Abend endete quatschend mit David und Megan in dieser tollen Wohnung im Parque Rodó. Ich werde das alles so vermissen, am besten denke ich noch gar nicht darüber nach, dass wir in 3 Wochen fast alle getrennte Wege gehen werden.
Gestern war tolles Frühsommerwetter und ich hab am Strand gelernt. Der Strand wurde mittlerweile sommerfit gemacht, d.h. es gibt jetzt Lifeguards, eine Flagge (die aufgrund der "sehr hohen" Wellen im Río de la Plata wohl immer grün ist) und die toten Fische wurden entfernt. Dafür hat die Kakerlakenfamilie ihren Weg in meine Residencia gefunden... Irgendwas Gutes muss es ja haben, dass ich in 4 Wochen gehe. Die Reiseroute steht mittlerweile sicher, Weihnachten werden wir an den Iguazú-Wasserfällen verbringen und Silvester in Bariloche. Danach gehts runter bis ans Ende der Welt nach Feuerland. Mittlerweile verstehe ich, warum alle, die einmal hier waren, immer wieder zurückkommen.
Freitag, 19. November 2010
Viel los...
Die Vorlesungszeit ist für mich seit gestern Abend offiziell vorbei - ich kann es kaum glauben. Im Moment bin ich schon etwas im Prüfungsstress, ich hab am Montag meine Geschichtsprüfung. Das ist ziemlich viel zum Auswendiglernen und so kann ich das frühsommerliche Wetter gerade nur bedingt genießen.
Río war unglaublich, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Das war die Reise, bei ich bis jetzt am meisten gelernt hab, über mich, über die Welt, über die Realität... dazu hat nicht zuletzt die Favela-Tour beigetragen, die wir gemacht haben. Das hört sich jetzt touristisch an, ist es auch, aber eine gute Sache. Favelas sind das, was in deutschen Medien so unpassend "Elends"viertel genannt wird, wir waren eine Gruppe "Gringos" (=Ausländer) und unser Guide kennt Rocinha, die größte Favela Río de Janeiros (200.000 Einwohner!) sehr gut und arbeitet dort bei Hilfsprojekten mit. Die Bewohner schätzen die Tours, weil sie wissen, dass ihnen mit den Einnahmen geholfen wird (fließt in die Projekte) und weil es zeigt, dass sich jemand für sie interessiert. Die Einheimischen neigen nämlich dazu, diese Realität zu ignorieren und finden Ausreden, warum sie das nicht sehen wollen. Wir hatten das lebendige Beispiel, drei Brasilianer aus Sao Paolo, in unserem Hostel, sie meinten, das würden sie oft genug im Fernsehen oder in der Zeitung sehen. Nur darf man nicht vergessen, dass in den Medien darüber berichtet wird, wenn dort Gewalt in "berichterstattungswürdigem" Ausmaß geschieht oder Menschen bei einer Überschwemmung ums Leben kommen. Über das alltägliche Leben der Menschen in Rocinha, die wie alle anderen ein menschenwürdiges Leben führen wollen und es nicht verdienen, als der Abschaum der Gesellschaft angesehen zu werden, wird nicht berichtet. Es ist aber wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, wichtig für alle, nicht nur für die Brasilianer.
Was wir bei der Tour alles gesehen und gehört haben, kann man mit Worten kaum beschreiben. Der Anfang war sehr abenteuerlich, wir wurden mit Mopeds (jeder einzeln) auf den höchsten Punkt des Hügels befördert, ohne Helm über eine Straße mit Kurven, an Bussen und Autos vorbei, in einer Geschwindigkeit, die einen manchmal beten ließ. Ich war davor noch nie auf einem Moped gesessen! Oben angekommen, sind wir die "Hauptstraße" entlang runtergelaufen. Diese Straße ist ein Pfad, der so breit ist, dass zwei Personen aneinander vorbeilaufen können, mehr nicht. Einmal in der Straße, durften wir auch Fotos machen. Das war am Eingang verboten, weil die Eingänge von bewaffneten Mitgliedern der Drogenbande ADA kontrolliert werden und die mögen es nicht, auf Fotos zu erscheinen. Den Grund kann man sich denken. Wir haben tatsächlich einen mit einer riesigen Gun gesehen... Diese Drogenbande kontrolliert die Favela, steht in ständigem Clinch mit der Polizei, stellt ihre eigenen Gesetze auf, verkauft Drogen und kauft mit den Einnahmen Unmengen von Waffen. Die bekommt jeder zu spüren, der sich den Gesetzen widersetzt (z.B. eine Frau, die eine Beziehung zu einem Mitglied beendete, wurde ermordet). Die Gewalt und die ständige Angst um die Sicherheit sind das größte Problem der Menschen in der Favela und bis jetzt ist das nicht gelöst. Die schlechten Lebensbedingungen, z.B. improvisierte Stromversorgung, Müll ohne Ende, Häuser ohne Fenster und Türen... können die Menschen selbst verbessern, mit Unterstützung von außen. Sie arbeiten auch daran, z.B. haben sie jetzt WLan, einen Computersalon und Zugang zu Google. Zugang zu Informationen ist sehr wichtig, denn nur wer weiß, dass es auch anders geht, bekommt den Willen und die Möglichkeit, die eigenen Zustände zu ändern. Das Gute ist, 85% der Bevölkerung arbeitet oder studiert, viele arbeiten in den reichen Vierteln, die Rocinha umgeben. Was wir davor nicht wussten, die Favela hat die gleichen Läden und Dienstleistungen wie andere Viertel. Wir waren in einem Kunstatelier, in einer Bäckerei (haben natürlich was gekauft!) und sind an einem Optiker, Supermärkten, Schuh- und Klamottenläden usw. vorbeigelaufen.
Das war nur ein kurzer Einblick... es war eine sehr schockierende, aber wichtige Erfahrung und ich bin dankbar, dass ich das erleben durfte. Das nennt man wohl Lebensschule. Nach der Rückkehr haben wir den ganzen Tag kaum mehr was gemacht, wir mussten die ganzen Eindrücke erst mal verdauen.
Das war die dunkle Seite der Medaille Río de Janeiro, die helle gibt es natürlich auch. Es ist eine wunderschöne, tropische Stadt, die ihren Platz in meinen Top3 der schönsten Städte der Welt findet. Die Straßen von Ipanema sind gesäumt mit Palmen und tropischen Pflanzen, man fühlt sich wie in einem botanischen Garten. Die Bevölkerung unterscheidet sich von der des restlichen Cono Sur, man sieht viele Mulatten und Schwarze, der dunkle Teil der Geschichte Brasiliens mit dem Import von Sklaven ist omnipräsent. Viele "cariocas" treiben Sport, um ihre gute Figur zu halten. Saftbars findet man überall in der Stadt, ich hab alles mögliche probiert, einziges Kriterium war, dass ich die Frucht noch nicht kenne. Graviola, Acerola, Pitanga, Cupuacu, Acai... ein Schlaraffenland. Brasiliens Norden birgt obsttechnisch viele Schätze. Andere kulinarische Leckereien sind Empadas, Pasteles, feijoada (Bohnen)...
Zuckerhut und Christus-Statue sind ein Muss für jeden Río-Besucher, die Aussichten sind der Wahnsinn. Copacabana wird meiner Meinung nach überbewertet, sobald es dunkel wird, muss man dort äußerst vorsichtig sein. Der Strand von Ipanema ist genauso schön und sicherer. Santa Teresa ist ein Stadtteil auf einem Hügel, wie aus einer anderen Zeit. Dort atmet man die koloniale Vergangenheit. Die Caipirinhas sind so lecker und so stark wie ihr Ruf, als unbedarfter Europäer sollte man es besser nicht übertreiben ;) Tropenklima bedeutet nicht nur, dass die Temperatur nicht unter 20°C fällt, sondern auch, dass es im November doppelt so viel regnet wie im Juli. Was bedeutet, dass wir 4 Tage keinen Sonnenstrahl gesehen haben und ab und zu Nieselregen abbekommen haben. Das Schuhwerk der Cariocas sind FlipFlops, das fällt sofort auf. Kaum einer hat geschlossene Schuhe an, egal, wie das Wetter ist.
Reich und arm liegen dicht beieinander... in einer Disco in Ipanema zahlt man 70 Euro Eintritt (!) und am WE sieht man eine Menschenmenge davor. Plus Auto mit schlafendem Chauffeur. Ipanema ist eines der lebenswertesten Viertel Ríos und dementsprechend auch eines der teuersten zum Leben. Unser Hostel war auch dort, 3 Blocks vom Strand weg.
So, jetzt lasse ich den Eintrag nicht mehr allzusehr ausufern und widme mich wieder meinem Pensamiento-Skript. Beijos e abracos. PS: Ich will portugiesisch lernen für meinen nächsten Brasilien-Aufenthalt. Nach der ganzen Zeit im spanischsprachigen Südamerika war es ungewohnt, in einem Land zu sein, wo man die Sprache nicht spricht. Man wird zwar einigermaßen verstanden, wenn man Spanisch spricht, doch ist es ein Glücksspiel, ob man die Antwort versteht oder nicht. Mit einem der Brasilianer aus dem Hostel hat die spanisch-portugiesische Unterhaltung aber geklappt!
Río war unglaublich, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Das war die Reise, bei ich bis jetzt am meisten gelernt hab, über mich, über die Welt, über die Realität... dazu hat nicht zuletzt die Favela-Tour beigetragen, die wir gemacht haben. Das hört sich jetzt touristisch an, ist es auch, aber eine gute Sache. Favelas sind das, was in deutschen Medien so unpassend "Elends"viertel genannt wird, wir waren eine Gruppe "Gringos" (=Ausländer) und unser Guide kennt Rocinha, die größte Favela Río de Janeiros (200.000 Einwohner!) sehr gut und arbeitet dort bei Hilfsprojekten mit. Die Bewohner schätzen die Tours, weil sie wissen, dass ihnen mit den Einnahmen geholfen wird (fließt in die Projekte) und weil es zeigt, dass sich jemand für sie interessiert. Die Einheimischen neigen nämlich dazu, diese Realität zu ignorieren und finden Ausreden, warum sie das nicht sehen wollen. Wir hatten das lebendige Beispiel, drei Brasilianer aus Sao Paolo, in unserem Hostel, sie meinten, das würden sie oft genug im Fernsehen oder in der Zeitung sehen. Nur darf man nicht vergessen, dass in den Medien darüber berichtet wird, wenn dort Gewalt in "berichterstattungswürdigem" Ausmaß geschieht oder Menschen bei einer Überschwemmung ums Leben kommen. Über das alltägliche Leben der Menschen in Rocinha, die wie alle anderen ein menschenwürdiges Leben führen wollen und es nicht verdienen, als der Abschaum der Gesellschaft angesehen zu werden, wird nicht berichtet. Es ist aber wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, wichtig für alle, nicht nur für die Brasilianer.
Was wir bei der Tour alles gesehen und gehört haben, kann man mit Worten kaum beschreiben. Der Anfang war sehr abenteuerlich, wir wurden mit Mopeds (jeder einzeln) auf den höchsten Punkt des Hügels befördert, ohne Helm über eine Straße mit Kurven, an Bussen und Autos vorbei, in einer Geschwindigkeit, die einen manchmal beten ließ. Ich war davor noch nie auf einem Moped gesessen! Oben angekommen, sind wir die "Hauptstraße" entlang runtergelaufen. Diese Straße ist ein Pfad, der so breit ist, dass zwei Personen aneinander vorbeilaufen können, mehr nicht. Einmal in der Straße, durften wir auch Fotos machen. Das war am Eingang verboten, weil die Eingänge von bewaffneten Mitgliedern der Drogenbande ADA kontrolliert werden und die mögen es nicht, auf Fotos zu erscheinen. Den Grund kann man sich denken. Wir haben tatsächlich einen mit einer riesigen Gun gesehen... Diese Drogenbande kontrolliert die Favela, steht in ständigem Clinch mit der Polizei, stellt ihre eigenen Gesetze auf, verkauft Drogen und kauft mit den Einnahmen Unmengen von Waffen. Die bekommt jeder zu spüren, der sich den Gesetzen widersetzt (z.B. eine Frau, die eine Beziehung zu einem Mitglied beendete, wurde ermordet). Die Gewalt und die ständige Angst um die Sicherheit sind das größte Problem der Menschen in der Favela und bis jetzt ist das nicht gelöst. Die schlechten Lebensbedingungen, z.B. improvisierte Stromversorgung, Müll ohne Ende, Häuser ohne Fenster und Türen... können die Menschen selbst verbessern, mit Unterstützung von außen. Sie arbeiten auch daran, z.B. haben sie jetzt WLan, einen Computersalon und Zugang zu Google. Zugang zu Informationen ist sehr wichtig, denn nur wer weiß, dass es auch anders geht, bekommt den Willen und die Möglichkeit, die eigenen Zustände zu ändern. Das Gute ist, 85% der Bevölkerung arbeitet oder studiert, viele arbeiten in den reichen Vierteln, die Rocinha umgeben. Was wir davor nicht wussten, die Favela hat die gleichen Läden und Dienstleistungen wie andere Viertel. Wir waren in einem Kunstatelier, in einer Bäckerei (haben natürlich was gekauft!) und sind an einem Optiker, Supermärkten, Schuh- und Klamottenläden usw. vorbeigelaufen.
Das war nur ein kurzer Einblick... es war eine sehr schockierende, aber wichtige Erfahrung und ich bin dankbar, dass ich das erleben durfte. Das nennt man wohl Lebensschule. Nach der Rückkehr haben wir den ganzen Tag kaum mehr was gemacht, wir mussten die ganzen Eindrücke erst mal verdauen.
Das war die dunkle Seite der Medaille Río de Janeiro, die helle gibt es natürlich auch. Es ist eine wunderschöne, tropische Stadt, die ihren Platz in meinen Top3 der schönsten Städte der Welt findet. Die Straßen von Ipanema sind gesäumt mit Palmen und tropischen Pflanzen, man fühlt sich wie in einem botanischen Garten. Die Bevölkerung unterscheidet sich von der des restlichen Cono Sur, man sieht viele Mulatten und Schwarze, der dunkle Teil der Geschichte Brasiliens mit dem Import von Sklaven ist omnipräsent. Viele "cariocas" treiben Sport, um ihre gute Figur zu halten. Saftbars findet man überall in der Stadt, ich hab alles mögliche probiert, einziges Kriterium war, dass ich die Frucht noch nicht kenne. Graviola, Acerola, Pitanga, Cupuacu, Acai... ein Schlaraffenland. Brasiliens Norden birgt obsttechnisch viele Schätze. Andere kulinarische Leckereien sind Empadas, Pasteles, feijoada (Bohnen)...
Zuckerhut und Christus-Statue sind ein Muss für jeden Río-Besucher, die Aussichten sind der Wahnsinn. Copacabana wird meiner Meinung nach überbewertet, sobald es dunkel wird, muss man dort äußerst vorsichtig sein. Der Strand von Ipanema ist genauso schön und sicherer. Santa Teresa ist ein Stadtteil auf einem Hügel, wie aus einer anderen Zeit. Dort atmet man die koloniale Vergangenheit. Die Caipirinhas sind so lecker und so stark wie ihr Ruf, als unbedarfter Europäer sollte man es besser nicht übertreiben ;) Tropenklima bedeutet nicht nur, dass die Temperatur nicht unter 20°C fällt, sondern auch, dass es im November doppelt so viel regnet wie im Juli. Was bedeutet, dass wir 4 Tage keinen Sonnenstrahl gesehen haben und ab und zu Nieselregen abbekommen haben. Das Schuhwerk der Cariocas sind FlipFlops, das fällt sofort auf. Kaum einer hat geschlossene Schuhe an, egal, wie das Wetter ist.
Reich und arm liegen dicht beieinander... in einer Disco in Ipanema zahlt man 70 Euro Eintritt (!) und am WE sieht man eine Menschenmenge davor. Plus Auto mit schlafendem Chauffeur. Ipanema ist eines der lebenswertesten Viertel Ríos und dementsprechend auch eines der teuersten zum Leben. Unser Hostel war auch dort, 3 Blocks vom Strand weg.
So, jetzt lasse ich den Eintrag nicht mehr allzusehr ausufern und widme mich wieder meinem Pensamiento-Skript. Beijos e abracos. PS: Ich will portugiesisch lernen für meinen nächsten Brasilien-Aufenthalt. Nach der ganzen Zeit im spanischsprachigen Südamerika war es ungewohnt, in einem Land zu sein, wo man die Sprache nicht spricht. Man wird zwar einigermaßen verstanden, wenn man Spanisch spricht, doch ist es ein Glücksspiel, ob man die Antwort versteht oder nicht. Mit einem der Brasilianer aus dem Hostel hat die spanisch-portugiesische Unterhaltung aber geklappt!
Dienstag, 9. November 2010
Playa Ramírez und Rambla in der Morgendämmerung, 06.11.10
Was macht man, wenn man zu viel Mate getrunken hat und deshalb um 2 Uhr nachts noch wach ist?
Richtig, man lädt Bilder hoch.
Woran merkt man, dass man definitiv uruguayisch beeinflusst wird?
Unter anderem daran, dass man E-Mails an Kommilitonen mit "Besos" (=Küsse) unterschreibt. Das ist hier völlig normal, aber stellt euch das mal in Deutschland vor. Genauso wie man dort nicht original südamerikanisch sogar vom Prof (!) mit Küsschen begrüßt wird. Daran, dass alle den Prof duzen und mit Vornamen ansprechen, habe ich mich mittlerweile gewöhnt, wobei ich momentan noch beim "Sie" bleibe. Was einem seit dem 7. Lebensjahr antrainiert wurde, legt man doch nicht so schnell ab. Das mit den Küsschen zur Begrüßung (nicht nur unter Freunden, auch unter Leuten, die sich gerade erst kennenlernen) gefällt mir aber sehr gut und ich habe Lust, das in Deutschland einzuführen. Macht euch auf was gefasst! Besos :)
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